NS-Herrschaftsstruktur

Die NS-Herrschaft war nicht zuletzt geprägt durch die Schaffung einer Ordnungsstruktur, in der die einzelnen Einrichtungen miteinander konkurrierten und Instanzenwege und Kompetenzen bis zuletzt nicht eindeutig und festgelegt blieben. Der Führer selbst war die einzige Instanz mit eindeutigen und unumschränkten Machtbefugnissen.

So gab es auf der einen Seite die staatlichen Behörden, die zu einem großen Teil aus der Weimarer Republik übernommen wurden und bestehen blieben und auf der anderen Seite parallel geschaffene Instanzen und Organisationen der NSDAP. Dies garantierte insbesondere einen permanenten Kampf um Zuständigkeiten und Macht.

Damit entspricht der Nationalsozialismus nicht dem Totalitarimusbegriff im strengen Sinne mit eindeutig geregelten hierarchischen Herrschaftsstrukturen (zum Begriff: http://de.wikipedia.org/wiki/Totalitarismus , Infos auch hier auf der Seite - siehe unten, farbig markiert) und geklärten Machtbefugnissen. Hitler gilt als die einzige Figur des dritten Reiches, die für sich unumschränkte "totalitäre" Machtbefugnisse beanspruchen konnte. Ein totalitärer Staat lebt nach allgemeiner Auffassung von einer klaren eindeutigen Struktur, die alle und alles umfassend beherrscht. Dies kann die NS-Herrschaft eben nicht für sich in Anspruch nehmen. Neben der Schaffung neuer paralleler Instanzen und gleichzeitiger Beibehaltung der bisherigen Einrichtungen, wurden keine Regelungen zur Klärung von Zuständigkeiten geschaffen. Im Verlaufe der 12jährigen Herrschaft wurden permanent neue Einrichtungen und Ämter geschaffen, die Kompetenzen in allen 3 Gewalten erhielten und zwangsläufig Konflikte heraufbeschwören mussten. Dies geschah unter anderem deshalb, um die Gefahr einer zu starken Machtanhäufung zu verhindern bzw. dort wo sie offensichtlich entstand durch die Einrichtung eines neuen Amtes einzuschränken. Höher stehende Instanzen oder Hitler selbst mussten bei Konflikten als "Schiedsrichter" von Fall zu Fall entscheiden. Auf diese Weise wurde erreicht, dass jeder versuchte den vermuteten Willen der höheren Instanz oder des Führers im "vorauseilenden" Gehorsam zu erfüllen oder gar zu überbieten.

Konkurrenzkämpfe fanden auch innerhalb der Partei und ihrer Organisationen statt. Als Beispiel sei hier die SA und die SS genannt. Diesen Machtkampf entschied die SS letztlich für sich. Die SS kann ohnehin bis zum Ende der NS-Herrschaft als die einzige Organisation gelten, die es vermochte dauerhaft ihre Machtstellung zu verteidigen und auszubauen. Die SA verlor nicht nur den Kampf um die Gunst des "Führers" gegenüber der SS, sondern auch gegenüber der Wehrmacht. Die SA wollte gerne der militärische Arm der NSDAP und des Reiches werden und sich quasi die Wehrmacht unterordnen, was jedoch von Hitler anders entschieden wurde. Prinzipiell muss man sagen, dass die SA ihre Schuldigkeit mit der Machtübernahme getan hatte.

Die SS wiederum schaffte es, sich als Parteiorganisation im Staatsapparat zu etablieren und der "Reichsführer SS" Heinrch Himmler übernahme schließlich (1936) auch die Führung der deutschen Polizei.

Allerdings ist festzustellen, dass der NS-Staat andere wesetnliche Elemente eines totalitären Staates durchaus erfüllte:

- Gegenteil eines demokratischen, pluralistischen Verfassungsstaates

- Vorhandensein einer Ideologie, die weite Bereiche des menschlichen Lebens umfasst und häufig einen "neuen" Menschen erschaffen will

- Massen sollen mobilisiert werden und dem Herrscher ihe "Zustimmung" erteilen

- Vorstellung einer Gesellschaft mit einheitlichem Willen (Volksgemeinschaft)

- Gegner und Außenstehende werden im Zweifel mit Terror, Vernifolgung und Vernichtung überzogen

- zentral gelenkte Wirtschaft