Napoleon und die Deutschen

Die Napoleonische Herrschaft hat für die Entwicklung Deutschlands nicht unerhebliche Bedeutung. Im Zuge der napoleonischen Herrschaft kam es neben einer territorialen Neugliederung, des in viele kleine Einzelstaaten aufgesplitterten 'Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation' und dessen Auflösung zu weiteren weitreichenden Veränderungen.

Überblick über Napoleon und die Napoleonische Herrschaft

Dass Napoleon einmal der bedeutendste Herrscher seiner Epoche werden würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt und wäre von seiner Herkunft her eher als unwahrscheinlich, wenn nicht sogar als unmöglich vorherzusehen gewesen. Napoleon wurde am 15. August 1769 auf Korsika geboren (Das konkrete Datum erwähne ich nicht ohne Grund... ;-) ). Die Korsen wurden nicht wirklich als vollwertige Franzosen, sondern eher als Italiener angesehen. Napoleon wollte den Makel seiner Herkunft durch eine militärische Laufbahn wettmachen. Von 1779-1785 besuchte er die Militärschulen in Brienne und Paris. Bereits als 14jähriger erreichte Napoleon den Rang eines Leutnants. In der Französischen Revolution tat er sich hervor und stieg schnell auf. Bereits 1793 wurde er zum Brigadegeneral ernannt. Durch die Niederschlagung eines royalistischen Aufstands erwarb er sich Dankbarkeit und Vertrauen des Direktoriums, welches ihm in der Folge jegliche Freiheiten in seinen militärischen Unternehmungen ließ (1796: Oberbefehlshaber der Italienarmee [Italienfeldzug]/Vatikanstaat wird beschnitten, 1797 Feldzug in Österreich [Vertrag von Campo Formio]/Österreich muss hier Mailand abtreten, 1797 Oberbefehlshaber der Armee gegen England/gegen England gelingt kein Sieg, 1798 Aufbruch zur Expedition nach Ägypten). 1799 kehrt Napoleon nach Frankreich zurück und unternimmt Napoleon einen Staatsstreich gegen das Direktorium und ließ sich zum Konsul ernennen. 1802 ließ sich Napoleon per Volksabstimmung zum Konsul auf Lebenszeit wählen. 1804 krönte sich Napoleon selbst zum Kaiser. Die große Frage ist:

Welche Bedingungen ermöglichen es Napoleon so aufzusteigen?

Schaubild

Blickrichtung: Deutschland

Der Frieden von Lunéville (1801) beendet den 2. Koalitionskrieg. Er führt dazu, dass alle linksrheinischen deutschen Gebiete von Österreich an Frankreich abgetreten werden müssen. Damit wird der Reichsdeputationshauptschluss vorbereitet, der faktisch das Ende des "Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation" bedeutet (Die Habsburger sind fortan nur noch Kaiser von Österreich, offiziell wird dieser Schritt allerdings erst 1806 vollzogen) und mit dem die territoriale Neuordnung der deutschen Gebiete abgeschlossen wird.

Die Abtretung der linksrheinischen Gebiete war der Auftakt zur territorialen Neugliederung der deutschen Gebiete. Die enteigneten deutschen Fürsten sollten rechtsrheinisch entschädigt werden. Ein Ausschuss setzte dieses Vorhaben um. Die Kirchengüter wurden zum Besitz der Landesherren (Säkularisation) und die bisher dem Kaiser direkt unterstehenden Städte und Gebiete wurden den Landesherren unterstellt (Mediatisierung - Aufhebung der Reichsunmittelbarkeit). Die Kleinstaaterei wurde in diesem Zuge ebenfalls beendet und aus vielen kleinen Territorien größere Einheiten geschaffen (z.B. Bayern, Baden-Württemberg). 1806 schlossen sich 16 Fürsten zum Rheinbund zusammen und treten aus dem Heiligen römischen Reich Deutscher Nation aus. Nun legt der österreische Kaiser, Franz II. die Krone nieder und das Reich hört auf zu existieren. Wenige deutsche Gebiete stemmen sich weiter gegen die Vorherrschaft Napoleons. Insbesondere ist es Preußen, das bis 1806/07 gegen Napoleon weiter kämpft. Nach der Niederlage Preußens entsteht aus dessen westlich der Elbe gelegenen Gebieten das Königreich Westfalen - ein Musterstadt nach Napoleons Vorstellungen mit seinem Bruder Gerome als König an der Spitze. Die preußischen Ostgebiete werden zum Großherzogtum Warschau.

Napoleons größte Machtentfaltung ist damit erreicht. Seine weiteren Unternehmungen sind nicht mehr von unbegrenztem Erfolg gekrönt.

Niederlagen und Niedergang

Ein erster nennenswerter Rückschlag war für Napoleon die Vernichtung der französischen Flotte durch die Engländer bei der Schlacht am Kap Trafelgar (1805), aber auch dem Spanienfeldzug im Jahr 1808 war kein durchschlagender Erfolg vergönnt.

Als Reaktion auf die Seeniederlage verhängte 1806 die sogenannte Kontinentalsperre. So sollte jeglicher Handel mit der Britischen Insel unterbunden werden und die Engländer wirtschaftlich in die Knie gezwungen werden. Dieser Versuch schlug fehl, weil letztlich keine 100%ige Sperre erreicht werden konnte und sich die Verbündeten Napoleons mehr oder weniger offen aus eigenen wirtschaftlichen Notwendigkeiten heraus der Kontinentalsperre zu widersetzen versuchten.

Militärisch entscheidend für Napoleons Niedergang war jedoch sein Russlandfeldzug (1812, Grund: Russland widersetzte sich der Kontinentalsperre), den er mit ausgezehrten, schlecht ausgerüsteten und demotivierten Soldaten begann. Preußen und Russland schmiedeten nun ein Militärbündnis, dem auch Bayern und Österreich hinzutraten. Napoleons Schicksal wurde bei der Völkerschlacht von Leipzig im Frühjahr 1813 besiegelt. Napoleon wurde nach der vernichtenden Niederlage auf die Insel Elba verbannt. Von dort aus kehrte er 1815 noch einmal für 100 Tage zurück und wurde von einem englisch-preußischen Heer unter den Generälen Wellington und Blücher bei Waterloo endgültig geschlagen. Napoleon wurde nun auf die Insel St.Helena im Südatlantik verbannt, wo er 1821 verstarb.

Gründe für den Niedergang Napoleons zusammengefasst:
- Überdehnung der Kräfte
- Kontinentalsperre (nicht erfolgreich und untragbar für unterworfene Staaten)
- eigener Despotismus
- Russlandfeldzug fordert zu viel Kräfte
Unbesiegbarkeit wird erschüttert
England und Russland konnten nicht besiegt werden
Welche Bedeutung hat Napoleon für die Entwicklung in Deutschland?

Napoelon "erweckte" Deutschland aus seiner Rückständigkeit und Erstarrung. Die deutschen Gebiete waren in mehrere hundert Kleinstaaten aufgeteilt, die keine Modernisierungsschritte in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft erlaubten. Diesen Zustand beendete Napoleon durch die territoriale Neugliederung und Einführung des Code Civil. Druck übte er damit auch auf im nicht restlos unterworfene Gebiete, wie Preußen aus, das sich gezwungen sah ebenfalls einen Modernisierungskurs zu beginnen (Preußische Reformen). Von Napoleon unbeabsichtigt begannen die Menschen ein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln und den Wunsch in einem Nationalstaat zusammenzuleben. Damit legte Napoleon selbst auch "Lunte" an seine eigene Herrschaft. Denn je länger diese dauerte, desto stärker hatten die Menschen das Gefühl, dass er nicht ihr Befreier sei - als den ihn viele zu Beginn sahen - sondern ein Unterdrücker. Nicht zuletzt erzeugte er dies durch seine eigene Politik. Immer neue Truppen mussten ausgehoben werden und die unterworfenen und verbündeten Staaten Soldaten für seine Kriegszüge stellen. Ebenso mussten sie im wesentlichen die Kosten der Kriegsmaschinerie tragen. Preußen erkannte dies und ebnete durch Reformen, die insbesondere durch die Freiherren Heinrich vom und zum Stein und Karl von Hardenberg initiiert wurden.

Schaubild

Links:

http://www.napoleon-online.de/

http://de.wikipedia.org/wiki/Napoleon_Bonaparte

http://www.dieterwunderlich.de/Napoleon_Bonaparte.htm

http://www.historicum.net/themen/napoleon-bonaparte/

http://www.epoche-napoleon.net/