Imperialismus

Begriff Imperialismus

tbd

Überblick über die Kolonialpolitik einzelner Länder

Das Zeitalter des Imperialismus wurde von Akteursseite insbesondere von europäischen Mächten, den USA, Russland und Japan geprägt. Folgend wird ein knapper Überblick über die Entwicklungen gegeben.

 

Großbritannien

Das Imperialismuszeitalter markiert für Großbritannien nicht nur seine größte räumliche Ausdehnung, sondern auch seinen Weltmachtanspruch. Ab dem 16. Jahrhundert erweiterte Großbritannien Schritt für Schritt seine kolonialen Besitzungen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörten Australien, Kanada, Indien, Afghanistan und verschiedene Inselgruppen im Indischen Ozean zum britischen Kolonialreich. Zum „Britischen Empire“ entwickelte sich Großbritannien mit seinen Kolonien erst mit der Gründung des Deutschen Reiches, da man nun einen weiteren wichtigen und mächtiger werdenden politischen und wirtschaftlichen Mitspieler sah. Bis dahin wurden die Kolonien eher indirekt beherrscht und im Vordergrund stand der Freihandel. Dies änderte sich nun und auch eine neue auf forcierte Expansion ausgerichtete Politik begann. 1882 wurde Ägypten besetzt, 1884 und 1889 wurden große Teile Ostafrikas in Besitz genommen. Der Versuch von Ägypten aus Richtung Süden in den Sudan vorzustoßen führte zum Konflikt mit Frankreich, das ebenfalls auf die südlichen Regionen Ansprüche erhob („Faschoda-Krise“, 1898). In einem brutalen Krieg gegen die Buren („Burenkrieg“, 1899-1902) sicherte Großbritannien jedoch seine Ansprüche. Ein Blick auf die Karte zeigt, dass damit das Ziel einer „Linie vom Kap bis Kairo“ nahezu erreicht wurde (Deutsch-Ostafrika lag noch dazwischen.).

 

USA

Die USA konzentrierten sich bis 1898 auf die Vollendung der Ausbreitung auf dem nordamerikanischen Kontinent, ehe es dann zum spanisch-amerikanischen Krieg kam. Die zurückhaltende Politik ging auf den amerikanischen Präsidenten James Monroe zurück, der in der „Monroe-Doktrin“ von den europäischen Mächten einen Verzicht auf jegliche Einmischung in der westlich-amerikanischen Einflussspähre verlangte und dafür Rücksicht auf die Interessen der Europäer nahm.

1898 muss Spanien dann sämtliche Ansprüche aufgeben. Die USA übernehmen im „Frieden von Paris“ Puerto-Rico, Guam und die Philippinen – Kuba wird zwar formell unabhängig, untersteht aber dem direkten Einfluss der USA. Die Kolonien im Pazifischen Ozean hatten für die USA besondere strategische Bedeutung, weil sie für die Kriegs- und Handelsmarine wichtige Stützpunkte für die wirtschaftliche und militärische Einflussnahme im pazifischen und asiatischen Raum boten.

 

Russland

Russland konzentrierte sich ebenfalls zunächst auf die Binnenkolonisation auf dem Kontinent und griff zunächst nach Sibirien und den Kaukasus bis an die Pazifikküste aus. Dabei wurden die Gebiete konsequent „russifiziert“.Auf diese Weise verschaffte sich Russland beispielsweise mit Wladiwostok einen eisfreien Hafen. Von China wurde die Mandschurai annektiert. Durch die Ausdehnung Richtung Afghanistan und Persien geriet Russland fortlaufend in Konflikt mit Großbritannien, weil Großbritannien seine Ansprüche bedroht sah. Dies änderte sich 1905 als Russlands Flotte im russisch-japanischen Krieg nahezu vollständig zerstört wurde und auch an Land eine herbe Niederlage einstecken musste. Damit war der Einfluss Russlands in Richtung Asien zumindest gebremst.

 

Berliner Afrikakonferenz (1884-1885)

Die Berliner Afrikakonferenz ist im allgemeinen Bewusstsein als die Konferenz zur Aufteilung Afrikas geblieben. Dies ist jedoch allenfalls als eine indirekte Folge der Konferenz zu sehen. Anlass für die Konferenz waren die Bestrebungen Belgiens eine Kolonie im Kongobecken zu gründen. Bismarck lud 14 Staaten mit Kolonien bzw. entsprechenden Interessen nach Berlin ein, um Regelungen für die Inbesitznahme und und Handels- und Zollrechte zu vereinbaren. Außerdem bekannten sich alle Teilnehmer zur Abschaffung der Sklaverei und Förderung der eingeborenen Bevölkerung.

 

Reibungen trotz Vereinbarungen – Annäherungen trotz Reibungen

Trotz der getroffenen Vereinbarungen kam es weiterhin zu Spannungen und Konflikten bei der Inbesitznahme von Gebieten – es entstand geradezu ein „Wettrennen“ zwischen den Mächten. Daraus entstanden Konflikte, die nur scheinbar wieder beigelegt wurden, tatsächlich aber gerade das Vertrauen zwischen den europäischen Mächten selbst nachhaltig störten. Andererseits führten die Spannungen aber auch zu unerwarteten Annäherungen. So galt es eigentlich als sehr unwahrscheinlich, dass Großbritannien und Frankreich sich wegen ihrer sich überschneidenden Interessen in Afrika („Faschoda-Krise“) einander annähern könnten, jedoch führte die Faschoda-Krise zu einer Einigung und dem Abstecken der Interessensgebiete. Letztlich wird dies als wichtige Grundlage für die Schaffung der „Entente cordial“ (1904) gesehen, die dann mit Russland zur „Triple entente“ erweitert wird und das entscheidende Büdnndis gegen die Mittelmächte (Österreich-Ungarn und Deutsches Reich) im ersten Weltkrieg darstellte.

1906 versuchte Frankreich seinen Einfluss auf Marokko zu verstärken, was einen Verstoß gegen internationale Abkommen bedeutete. Marokko galt als unabhängig und alle sollten freien Handelszugang haben. Dies war nun bedroht und das Deutsche Reich intervenierte. In einer Konferenz wurde zwar die Unabhängigkeit Marokkos bestätigt, aber Frankreich Einfluss auf Polizei und Hafenverwaltung gewährt. 1911 verstärkte Frankreich durch die Besetzung von Fes und Marrakesch seinen Einfluss, was das Deutsche Reich zur Entsendung eines Kanonenbootes („Panther“) veranlasste. Bekannt geworden ist diese Episode als „Panther-Sprung“.Letztlich konnte sich Deutschland mit seinen Interessen gegen Frankreich und Großbritannien nicht durchsetzen.

 

Deutscher Imperialismus

Otto von Bismarcks Leitgedanke war die Sicherung des Status quo. Er betrachtete das Deutsche Reich als „saturiert“. Er sah daher keinen Sinn sich in koloniale Abenteuer zu begeben. Kolonien sah Bismarck als finanzielles Risiko und sah auch keinen nachhaltigen wirtschaftlichen Nutzen. Außerdem sah er die Absicherung und Einbindung des Deutschen Reiches in das Mächtegeflecht als gefährdet an, wenn man in Auseinandersetzungen wegen anderer kolonialer Ansprüche geriete.

So blieb das Reich bis 1884 ohne eine Kolonie. Es fiel jedoch immer schwerer gegen die starke Koloniallobby sich zu behaupten – nicht zuletzt wegen der ökonomischen Schwächephase. Solange Bismarck an der Macht war, kam es zwar zu keiner aktiven Kolonialpolitik, aber als 1884 der Kaufmann Lüderitz um Schutz für die von ihm erworbenen Gebiete bat, wurde ihm dieser auch gewährt. Hieraus und weiteren Erwerbungen entstand Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia). Hinzu traten bald auch Kamerun, ostafrikanische Gebiete, Teile Neuguineas und mehrere Inselgruppen im Südpazifik.

Schnell wurde deutlich, dass die Privatunternehmer mit der Verwaltung überfordert waren. Aus dem kaiserlichen Schutz wurde dann schnell eine Kolonie des Deutschen Reiches.

Nach Bismarcks Demission 1890 begann die Zeit der aktiven Kolonialpolitik – eine Zeit offensiver Expansion. Das nationale Prestige, die Geltung Deutschlands in der Welt sollte gesteigert werden – darauf wurden Außen-, Flotten und Kolonialpolitik ausgerichtet. Man betrieb nun „Weltpolitik“.

Nach Frankreich, Großbritannien und Portugal pachtete auch das Deutsche Reich einen Hafen und eine Provinz in China, um von dort aus Zugang zum chinesischen Markt zu erhalten. Seine größte Ausdehnung erreichte das Deutsche Reich mit der Annexion West-Samoas im Jahr 1900. Seit 1878 wollte man die Südsee-Inseln in Besitz nehmen, was jedoch an den Auseinandersetzungen mit den USA und Großbritannien scheiterte, die dort ebenfalls Interessen verfolgten. So schuf man 1878 nur ein gemeinsames Protektorat. Als 1898 der König von Samoa starb wurde dann die Inselgruppe aufgeteilt.

Nicht spannungsfrei verlief für das Deutsche Reich auch die Erweiterung des Einflussbereichs in Richtung des Vorderen Orients. Das Deutsche Reich baute für das Osmanische Reich die Bagdadbahn, die als strategisch bedeutsam für Handel und politischen Einfluss galt. Das Deutsche Reich geriet daher in den Einflussbereich der Briten. Bis 1912 waren jedoch erst 250 km gebaut. Erst zwischen 1935 und 1940 wurde die Strecke abschließend fertiggestellt.

 

Die Durchsetzung der Herrschaft in den Kolonien – Das Beispiel des Herero-Aufstands

Die Durchsetzung der kolonialen Herrschaft war meist mit Gewalt verbunden, da die koloniale Ordnung permanent als bedroht angesehen wurde und auch die wirtschaftlichen Ziele nur selten erreicht werden konnten. Die Eingeborenen wurden als faul und für schwere Arbeit nicht zu gebrauchen angesehen. Daher meinte man auch rechtfertigen zu können, dass man mit Gewalt gegen die Eingeborenen vorgehen könne.

Keine Kolonialmacht stand einer anderen in Brutalität und hartem Vorgehen einer anderen nach. Für die deutsche Kolonialzeit gilt der Herero-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika 1904 als besonders brutales Beispiel.

Die Hereros waren eigentlich ein Nomadenvolk, dessen Existenzgrundlage durch Viehseuchen und Dürren massiv bedroht wurde. So konnten die deutschen Kolonialherren relativ leicht die Hereros in Reservaten ansiedeln, ihnen ihr Land abnehmen und sie als Arbeitskräfte einsetzen. Aus den Schwarzen sollte eine „Arbeiterklasse“ entstehen, die mindere Rechte besaß (z.B. kein Landerwerb, keine Mobilität). Die Stammesstrukturen wurden zerschlagen

 

Die Erhebung der Hereros gegen die deutsche Kolonialmacht begann im Januar 1904 völlig unerwartet. 123 deutsche Kolonisten fielen dem Aufstand in den ersten Tagen des Aufstands zum Opfer. Der deutsche Gouverneur versuchte zunächst auf dem Verhandlungswege den Aufstand zu beenden, da ihm auch nur eine kleine Schutztruppe zur Verfügung stand. Dies missfiel jedoch der deutschen Führung und der Gouverneur wurde abgesetzt und durch Generalleutnant Lothar von Trotha ersetzt, der mit einem Expeditionscorps von 15.000 Soldaten den Aufstand auf brutalste Art und Weise niederschlug. Er machte keine Gefangenen und trieb die Hereros in die Wüste, wo ein Großteil verhungerte und verdurstete, obwohl noch im Jahr 1904 der Befehl aufgehoben wurde. In einem weiteren Aufstand erhoben sich 1904 die Nama („Hottentotten“). Insgesamt kamen 60-80.000 Menschen zu Tode.

Bis heute wird die Frage gestellt, ob es sich bei den Vorgängen um Völkermord handelt. Im Jahr 1995 erhoben die Hereros Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland und fordern für die Kriegsverbrechen eine Entschädigung.

 

Das Ende des Imperialismus

Die Epoche des Imperialismus setzen wir für den Zeitraum 1882-1914, also das Ende mit Beginn des 1. Weltkriegs, an. Das bedeutet jedoch nicht, dass damit die Kolonialzeit beendet war. Dies galt vornehmlich für das Deutsche Reich, das im Verlaufe des Krieges alle seine Gebiete verlor, die im Anschluss an den Krieg dem Völkerbund als Mandatsgebiete zur Verwaltung überantwortet wurden. Viele Kolonien anderer Mächte wurden erst nach dem 2. Weltkrieg nach und nach in die Unabhängigkeit entlassen, z.B. Indien 1947. Die meisten afrikanischen Gebiete sogar erst in den 1950er und 1960er Jahren. Insbsondere Großbritannien hielt seinen Einfluss auf verschiedene Gebiete noch lange aufrecht. Hong-Kong war die letzte Kronkolonie, die 1997 unabhängig wurde.

 

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