Weg zum Waffenstillstand

Eingeständnis der Niederlage

Im Frühjahr 1918 hatte die Oberste Heeresleitung (seit August 1916 unter Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff, die faktisch alle Macht an sich gerissen hatten und das Reich mehr oder weniger insgesamt lenkten) mit der sogenannten Frühjahrsoffensive versucht, den Krieg für das Deutsche Reich zu entscheiden, was allerdings angesichts fehlender Reserven, fehlender Motorisierung der Artillerie und der Erschöpfung und Kriegsmüdigkeit der Frontsoldaten scheiterte.

Am 29. September 1918 gestand General Ludendorff die Niederlage ein und forderte von der Reichsregierung (!) sofortige Waffenstillstandsverhandlungen. Für die Politiker und die Bevölkerung wirkte dieses Eingeständnis wie ein Schock, da über Jahre nur Siegesmeldungen verbreitet worden waren.

Übergabe der Verantwortung an die Demokraten - Parlamentarisierung - Revolution von oben

Die beiden Generäle, die maßgeblich für die Situation verantwortlich waren, übernahmen jedoch nicht etwa die Verantwortung, sondern übergaben diese der Politik. Anfang Oktober 1918 übernahme der als liberal angesehene Prinz Max von Baden die Regierungsgeschäfte und wurde zum Reichskanzler benannt, gleichzeitig wurden nun auch Vertreter der Mehrheitsparteien (Zentrum, Fortschrittspartei, SPD, Nationalliberale) im Reichstag in die Regierung aufgenommen. Ziel dieser Maßnahme, die auch als Parlamentarisierung der Reichsregierung bezeichnet wird, war es die Auflösung der staatlichen Ordnung zu verhindern, sowie als Eingehen auf Wilsons Forderung, dass nur mit Regierungen, die vom Volk getragen würden, verhandelt werden sollte. Offiziell wurde die Parlamentarisierung mit einer Verfassungsänderung vom 28. Oktober 1918, mit ddie Bidnung des Reichskanzlers an das Vertrauen des Reichstags geknüpft wurde. Zur Erinnerung: In der bisher gültigen Verfassung war der Reichskanzler nur dem Kaiser verantwortlich und wurde von ihm ernannt und entlassen.

Diese sogenannte Oktoberverfassung hat jedoch keine größere Wirkung mehr entfalten können, da es bereits am 9. November zur weitergehenden Revolution kam.

Der Waffenstillstand

Wie bereits erwähnt, hatte sich die OHL ihrer Verantwortung für das militärische und politische Desaster durch die Übergabe der Verantwortung an die gewählten Politiker (Demokraten) entzogen und überließen es diesen nun in die Verhandlungen einzutreten und dem Volk die Niederlage zu erklären. Diese Aufgabe übernahm der Zentrumspolitiker Matthias Erzberger, der 1921 einem reaktionären Attentat zum Opfer fiel. Letztlich musste er also mit seinem Leben dafür bezahlen, dass er das Verantwortungsbewusstsein besaß, das die Oberste Heeresleitung feige in die Hände der Demokraten gelegt hatte.

Am 11. November 1918 wurde in Compiègne der Waffenstillstand unterzeichnet. Die Bedingungen der Alliierten waren hart und glichen bereits mehr einem Diktat als tatsächlicher Verhandlung, weil die Alliierten sicherstellen wollten, dass die deutsche Armee nicht in einem günstigen Moment wieder losschlagen würde. Die Annahme des Waffenstillstands glich einer Unterwerfung!

Einzelne Forderungen:

- sofortige Räumung aller besetzen Gebiete im Westen

- Freigabe Elsass-Lothringens

- Räumung des gesamten linken Rheinufers und einer 35 km rechtsrheinischen Sicherheitszone (Entmilitarisierung)

- Besetzung von Köln, Koblenz und Mainz durch alliierte Kräfte

- Annullierung des Seperatfriedens von Brest-Litowsk

- weitgehende Entwaffung (U-Boote, Waffen, Munition, Fahrzeuge und Lokomotiven)

- Freilassung alliierter Kriegsgefangener (Deutsche Gefangene blieben in Haft)

Mit dem Waffenstillstand waren die kriegerischen Handlungen beendet und in Deutschland konnte nun eine Republik entstehen, die jedoch von Beginn an mit dem Problem konfrontiert war, dass nicht wenige den demokratischen Politikern die Schuld an der Niederlage und den erniedrigenden Bedingungen anlasteten.